„Bruch im Lebenslauf“ war gestern, Individualität ist heute

„Bruch im Lebenslauf“ war gestern, Individualität ist heute

Leute, denkt ihr manchmal an einen beruflichen Wechsel? Wir haben für Euch den Hamburger Personalexperten Stephan Dahrendorf zu diesem Thema interviewt. Um Euch die besten Tipps zu geben.

Hallo Herr Dahrendorf, stellen Sie sich bitte einmal kurz in zwei Sätzen vor.

Gerne. Ich bin gelernter Jurist und habe viele Jahre in Personalabteilungen gearbeitet. Seit acht Jahren bin ich mit einem kleinen Team selbständig.

Früher wurde eine berufliche Veränderung als „Bruch im Lebenslauf“ wahrgenommen. Wie hat sich dieses Bild in den letzten Jahren verändert?
Eine große Veränderung im Lebenslauf ist für den nächsten Arbeitgeber tendenziell ein Risiko. Denn man möchte sich, wenn man jemanden neu anstellt, Sicherheit kaufen. Ein Lebensweg mit Wechseln kann bedeuten, dass jemand gar nicht weiß, was er will. Es kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass jemand viele Interessen und Talente hat. Heute wird Individualität im Unternehmen ausdrücklich gewünscht. Letztlich muss sich der Bewerber aber frei von der Frage machen, wie andere seinen Lebensweg sehen. Man muss das tun, was für einen selbst ein logischer Schritt ist.

Und was würden Sie Bewerbern raten, die sich mit dem Gedanken an einen beruflichen Neuanfang tragen?
Stelle Nachforschungen an. Lies entsprechende Stellenausschreibungen. Gehe auf Webseiten von Unternehmen, in dem es diesen Beruf gibt. Sprich mit Menschen, die den Beruf schon ausüben. Finde heraus, welche Ausbildungswege in den Beruf führen und wie lange sie dauern. Mache ein Praktikum. Überlege sehr genau, warum Dir der Beruf interessant zu sein scheint. Sammle Informationen über die Einkommensmöglichkeiten. Verkläre nichts und versuche, Dich einzufühlen in ein Leben mit deinem neuen Beruf.

Was sind die häufigsten Motivationsgründe, weshalb Menschen einen Neuanfang wagen?
Wenn Menschen ihre Stelle unfreiwillig verloren haben, ist das Motiv natürlich klar. Es gibt allerdings viele Menschen, die schon lange von einem bestimmten Beruf träumen oder die ihre Fähigkeiten und Kompetenzen im aktuellen Beruf nicht eingesetzt sehen. Häufig ist es auch die Unzufriedenheit mit dem Chef.

Gibt es Branchen, die besonders prädestiniert für Quereinsteiger sind?
Je weniger Fachwissen man braucht, desto einfacher ist der Umstieg in einen anderen Beruf. An ganzen Branchen lässt sich das eher nicht festmachen.

Wie unterstützen Sie Menschen bei der Umorientierung?
Vielen Menschen sind ihre Stärken nicht klar: Was sie können, sehen sie als selbstverständlich an. Wir blicken auf persönliche Erfolge und legen frei, welche unbewussten Konzepte, Strukturen und Methoden diese beruflichen oder privaten Erfolge möglich gemacht haben. Dann überlegen wir, in welchen Tätigkeiten diese Kompetenzen wichtig sind. Und schließlich geht es um Berufe und die Wege dorthin.

Könnten Sie sich selbst vorstellen, nochmal einen Neuanfang zu wagen?
Vorstellen kann ich es mir, aber ich habe es aktuell nicht vor. Generell gehe ich davon aus, dass es keine berufliche Sicherheit mehr gibt und wir alle ständig einen Plan B oder C im Kopf haben müssen.

Was heisst das nun für Dich? Du brauchst nur ein paar Minuten:
  • Schreibe auf einen Zettel, welche Jobs/ Branchen Dich interessieren
  • Sieh dich in der Jobbörse um, was in diesen Bereichen gerade angeboten wird.
  • Vor allem: Lade dein Bewerberprofil hoch und verschlagworte deine Wunschjobs/ -branchen. Dabei bleibst Du erst einmal anonym.
  • Erhalte Kontaktanfragen interessierter Unternehmen – Du entscheidest, wer Dein Profil einsehen darf.
  • Lass Dich über passende neue Jobs automatisch per Jobalarm! E-Mail benachrichtigen





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